Bildungs- und Erziehungsplan: Marchtaler Plan

Was ist der Marchtaler Plan?

Als Erziehungs- und Bildungsplan verwendet die Franz-von-Assisi-Schule den “Marchtaler Plan”, der in den 80er-Jahren für die katholischen Schulen der Diözese Rottenburg-Stuttgart entwickelt wurde. Er erhielt seinen Namen von der Kirchlichen Akademie der Lehrerfortbildung in Obermarchtal. Durch sichtbare und spürbare Konsequenzen für Bildungsplan und Unterricht an einer katholischen Schule sollten letztlich deren Zielsetzungen in optimaler Weise verwirklicht werden können.

Der Marchtaler Plan weist vier Strukturelemente auf:

  • Vernetzter Unterricht
  • Freie Stillarbeit
  • Fachunterricht
  • Morgenkreise 

 

Morgenkreise

Ein Morgenkreis eröffnet die Schulwoche und kennzeichnet den Wochenanfang als eine neu geschenkte Gabe und Aufgabe. Auch am Ende der täglichen Freien Stillarbeit versammeln sich die Kinder zum Morgenkreis. Elemente der Morgenkreise sind Anschauung und Besinnung, hören und sehen lernen, vernehmen können und still werden. Sammlung und Konzentration führen zu sich selbst und zu Gott, schaffen eine für den Unterricht und den Umgang miteinander förderliche Atmosphäre, regen an zu Kreativität und Spontaneität. Die Inhalte der Morgenkreise umfassen biblische Erzählungen, religiöse Vollzugsformen, Feste und Bräuche des Kirchenjahres, ethische und philosophische Fragen, Übungen zur Stille und Möglichkeiten der Selbstdarstellung der Kinder. Morgenkreise sind auch der Ort für Planung und Reflexion von Unterricht und Schulleben.

Freie Stillarbeit

Sie hat nichts zu tun mit sog. “Stillbeschäftigung”, sie ist vielmehr eine Form schulischen Arbeits und Lernens, welche die individual-soziale Persönlichkeit des Kindes in die Mitte des pädagogischen Bemühens stellt und seinen “sensitiven Phasen” (Maria Montessori) Rechnung trägt. Die Lehrkraft führt das Kind mittels der vorbereiteten Umgebung an das Bildungsgut heran. Dabei wird dem Kind die Wahl des Arbeitsthemas, die Arbeits- und Zeiteinteilung und der Arbeitsort in relativer Freiheit zugetraut. Die freie Wahl der Arbeit fördert den Drang nach Erkenntnis. Das Miteinander in der Arbeitsform übt soziales Verhalten ein. Eigenes Tun dient der Aktivierung des Geistes, dem Erwerb von Kompetenzen und der Persönlichkeitsbildung.

In der Freien Stillarbeit soll folgendes bewirkt werden:

Marchtaler Plan für Grundschulen

  • das Kind lernt konzentrierte Aufmerksamkeit in Stille und gründliches Arbeiten
  • das Kind wird in seiner Entscheidungsfreiheit gefördert
  • das Kind lernt Ordnung
  • das Kind kontrolliert seine Arbeit selbst; der Lehrer überprüft das Ergebnis
  • das Kind lernt so schrittweise Verantwortung zu übernehmen und sich in die Ge­meinschaft einzufügen.

Der Klassenlehrer ist bei der Freien Stillarbeit Moderator, Helfer des einzelnen Kindes; er kann schwächere Kinder stützen, leistungsfähigere gezielt fördern, er kann führen, wo es erforderlich ist. In der Freien Stillarbeit wird den individuellen Lernbedürfnissen am besten entsprochen. Die Lerninhalte aus allen Bereichen werden in der Freien Stillarbeit erarbeitet, geübt und wiederholt. Dadurch ist die Freie Stillarbeit die Hauptlernzeit für die Kinder; ihr ist die lerngünstigste Tageszeit eingeräumt. Rechtschreibübungen, Lesen, Grammatik, das Formulieren von Texten, Nachlesen in der „Fachbuchabteilung“ der Schülerbücherei sind ebenso Bestandteil der Freien Stillarbeit wie Rechnen, Gestalten von Buchbeiträgen oder Arbeiten aus den Sachfächern. Aufgabe des Lehrers ist es, ge­eignetes „Material“ bereitzustellen, damit die Kinder arbeiten können.

Vernetzter Unterricht

Er überschreitet die herkömmliche Gliederung des Unterrichtsstoffes nach Fächern. Er stellt die zu behandelnden Inhalte so dar, dass alle Aspekte fächerübergreifend zum Tragen kommen und zu einer ganzheitlichen Größe vernetzt werden. Die fachlichen Gegenstände, ihre sachlichen Wechselbeziehungen, ihre theologische, ethische, soziale und personale Be­deutung und die Situation sowie die Belange des Kindes sind integrierte Seiten der zu behandelnden Unterrichtseinheiten.

Vernetzter Unterricht wendet sich immer an den ganzen Menschen.

(Ähnliches unternimmt die öffentliche Volksschule im sog. Grundlegenden Unterricht der ersten beiden Jahrgangsstufen und mit der Verbindung einiger Sachfächer im neuen Hauptschullehrplan. Der Marchtaler Plan dehnt die Vernetzung konsequent auf alle Jahrgangsstufen der Volksschule aus.)

Vernetzte Unterrichtsfächer in der Grundschule:
Katholische Religionslehre, Deutsch, Heimat- und Sachunterricht.

Vernetzte Unterrichtsfächer in der Hauptschule:
Katholische Religionslehre, Deutsch, Geschichte/Sozialkunde/Erdkunde (GSE), Physik/Chemie/Biologie (PCB), Arbeit-Wirtschaft-Technik (AWT).

Werken/Textiles Gestalten, Kunsterziehung, Musik und die berufsorientierenden  Zweige der Hauptschule (Technik, Wirtschaft, Soziales) werden nach Bedarf in die Vernetzung einbezogen.

Im vernetzten Unterricht lernen die Kinder, dass Sachen oder Vorgänge immer mehrere Seiten haben, lernen besser, Zusammenhänge zu erkennen und in Zusammenhängen zu denken. Der fächerübergreifende, vernetzte Unterricht enthält stets auch die religiöse Dimension. Religion ist in die Unterrichtsfächer, den Schulalltag, das Schulleben inte­griert; bei einem Teil der vernetzten Einheiten bildet Religion auch den didaktischen Schwerpunkt.

Fachunterricht

Die Fächer Mathematik und Sport, in der Hauptschule auch Englisch und die berufsorientierenden Zweige (Technik, Wirtschaft, Soziales), sind nicht vernetzt und werden entsprechend ihrer Bedeutung unterrichtet. In der Grundschule wird das Fach Englisch ab Klasse 3 unterrichtet.